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BOE und 3M forschen gemeinsam an besseren Foldable-Displays

Dünnere Geräte, weniger sichtbare Displayfalten und trotzdem eine hohe Haltbarkeit: Die nächsten Fortschritte bei Foldables hängen längst nicht mehr allein von besseren Scharnieren ab. Auch die Materialien zwischen den einzelnen Schichten eines faltbaren Displays spielen eine entscheidende Rolle.

Der Displayhersteller BOE und der Materialkonzern 3M haben deshalb ihre bereits seit mehr als 20 Jahren bestehende Zusammenarbeit ausgebaut. In Peking wurde ein gemeinsames Forschungslabor eröffnet, das unter anderem an neuen Materialien für faltbare OLED-Displays arbeiten soll.

Besonders interessant sind dabei spezielle transparente Klebstoffe. Was zunächst unspektakulär klingt, gehört tatsächlich zu den Schlüsseltechnologien moderner Foldables.

Gemeinsames Forschungslabor in Peking

Das neue 3M and BOE Joint Laboratory befindet sich im BOE Technology Innovation Center in Peking.

Die Unternehmen wollen dort ihre jeweiligen Stärken zusammenbringen: BOE liefert seine Erfahrung bei der Entwicklung und Produktion moderner Displays, während 3M insbesondere Material-, Klebstoff- und Folientechnologien beisteuert.

Die Zusammenarbeit ist nicht neu. BOE und 3M arbeiten nach eigenen Angaben bereits seit mehr als zwei Jahrzehnten zusammen.

Mit dem gemeinsamen Labor soll die Materialentwicklung künftig allerdings wesentlich früher in die Entwicklung neuer Displays einbezogen werden.

Foldable-Technik ist ein Forschungsschwerpunkt

Das Labor beschäftigt sich nicht ausschließlich mit faltbaren Smartphones.

Auf dem Forschungsprogramm stehen Technologien für LCD-, OLED- und MLED-Displays sowie Anwendungen im Automobilbereich.

Foldables gehören allerdings ausdrücklich zu den Schwerpunkten.

Geforscht werden soll unter anderem an:

  • optischen Folien,
  • optisch transparenten Klebstoffen,
  • Strukturklebstoffen,
  • höherer Lichtausbeute,
  • faltbaren Displays und
  • besonders schmalen Displayrändern.

Außerdem stehen Simulationen, optische Messungen und mechanische Belastungstests zur Verfügung.

Damit können neue Materialien nicht nur entwickelt, sondern direkt darauf geprüft werden, ob sie den Belastungen eines späteren Serienprodukts standhalten.

Warum braucht ein Display überhaupt Klebstoff?

Ein modernes Smartphone-Display besteht nicht einfach aus einem OLED-Panel und einer Glasscheibe.

Stattdessen liegen zahlreiche extrem dünne Schichten übereinander.

Je nach Konstruktion gehören dazu beispielsweise das eigentliche OLED-Panel, Touch-Komponenten, Polarisations- beziehungsweise optische Schichten und verschiedene Schutzlagen.

Diese Komponenten müssen miteinander verbunden werden.

Bei einem gewöhnlichen Smartphone ist das bereits anspruchsvoll. Bei einem Foldable kommt eine entscheidende zusätzliche Anforderung hinzu:

Die Verbindung muss sich immer wieder biegen lassen.

Genau hier kommen sogenannte Optically Clear Adhesives, kurz OCA, ins Spiel.

Was ist OCA?

OCA lässt sich vereinfacht als optisch transparenter Spezialklebstoff beschreiben.

Er verbindet unterschiedliche Displaylagen miteinander, ohne dabei die Darstellung sichtbar zu beeinträchtigen.

Der Klebstoff muss also möglichst transparent sein und darf beispielsweise Farben, Kontrast oder Helligkeit nicht unerwünscht verändern.

Bei einem Foldable reicht das allerdings noch lange nicht.

Das Material muss gleichzeitig flexibel bleiben.

Wenn das Smartphone geöffnet und geschlossen wird, bewegen und verformen sich die verschiedenen Displaylagen geringfügig gegeneinander. Ein zu harter Klebstoff könnte dabei zu zusätzlichen Spannungen führen.

Ein zu weiches Material könnte wiederum andere Probleme verursachen.

Der Klebstoff wird dadurch zu einem Bestandteil der gesamten Faltmechanik.

Die Displayfalte ist auch ein Materialproblem

Bei der sichtbaren Falte eines Foldables denkt man zunächst vor allem an das Scharnier.

Das ist nur ein Teil der Geschichte.

Das flexible OLED-Panel besteht aus mehreren miteinander verbundenen Materialschichten. Beim Falten werden diese wiederholt mechanisch belastet.

Wie sich die einzelnen Schichten dabei verhalten, beeinflusst auch die Oberfläche des Displays.

BOE und 3M arbeiten bereits gemeinsam an Lösungen, die genau dieses Problem reduzieren sollen.

3M spricht in diesem Zusammenhang von speziellen Foldable-Klebstoffen, die bei BOEs sogenannten „zero-crease“ beziehungsweise nahezu faltenfreien flexiblen Displays eingesetzt werden.

Eine tatsächlich vollständig unsichtbare Falte unter allen Lichtbedingungen sollte man daraus allerdings nicht automatisch ableiten.

Das Entwicklungsziel ist vielmehr, die Falte immer weniger auffällig zu machen.

Tausende Faltvorgänge stellen enorme Anforderungen

Ein Smartphone wird nicht nur einige Male geöffnet.

Bei 100 Faltvorgängen pro Tag kommen innerhalb von fünf Jahren bereits mehr als 180.000 Öffnungs- und Schließvorgänge zusammen.

Die Materialien müssen diese Belastung möglichst überstehen, ohne dass sich einzelne Schichten lösen, Blasen entstehen oder sich die optischen Eigenschaften sichtbar verändern.

Hinzu kommen unterschiedliche Temperaturen.

Ein Foldable soll sowohl im Winter als auch an heißen Sommertagen funktionieren.

Materialien verändern ihre Eigenschaften jedoch abhängig von der Temperatur.

Ein Spezialklebstoff für faltbare Displays muss deshalb gleichzeitig flexibel, langlebig, optisch hochwertig und möglichst temperaturbeständig sein.

3M bietet bereits spezielle Materialien für Foldables an

3M entwickelt schon heute optisch transparente Klebstoffe speziell für flexible und faltbare OLED-Displays.

Nach Angaben des Unternehmens existieren zahlreiche unterschiedliche OCA-Varianten für verschiedene Displayanwendungen.

Das zeigt, warum es nicht einfach „den einen Displaykleber“ gibt.

Je nach Konstruktion können andere Eigenschaften erforderlich sein.

Ein Hersteller muss unter anderem berücksichtigen:

  • verwendete Displaymaterialien,
  • Biegeradius,
  • Temperaturbereich,
  • gewünschte Displaydicke,
  • optische Eigenschaften und
  • erwartete Lebensdauer.

Das neue gemeinsame Labor ermöglicht es BOE und 3M, solche Materialien gezielt auf kommende Displaykonstruktionen abzustimmen.

Materialentwicklung beginnt künftig früher

Besonders interessant ist deshalb die Struktur der Zusammenarbeit.

Traditionell entwickelt ein Displayhersteller zunächst ein Panel und sucht anschließend passende Materialien von Zulieferern.

BOE und 3M wollen diesen Prozess stärker miteinander verzahnen.

Die Materialentwicklung soll bereits während der grundlegenden Konstruktion eines neuen Panels berücksichtigt werden.

Das könnte insbesondere bei Foldables Vorteile bringen.

Scharnier, Displayaufbau, Klebstoffe und Schutzschichten beeinflussen sich gegenseitig. Werden diese Komponenten gemeinsam entwickelt, können Probleme möglicherweise früher erkannt werden.

Das wiederum könnte die Zeit vom Prototypen bis zur Serienproduktion verkürzen.

Erste Ergebnisse gibt es bereits

Die Zusammenarbeit beginnt nicht bei null.

3M zufolge haben beide Unternehmen bereits Technologien gemeinsam in die Serienproduktion gebracht.

Dazu gehören Entwicklungen bei LCD, OLED und Mini LED.

Auch bei flexiblen Foldable-Displays wurden bereits gemeinsam entwickelte Materialien eingesetzt.

Bei der Vorstellung des neuen Labors zeigte BOE unter anderem ein spiegelähnliches flexibles OLED-Display, bei dem die sichtbare Falte besonders stark reduziert werden soll.

Dabei kommt eine von 3M entwickelte optische Klebstofftechnologie zum Einsatz.

BOE wird im Foldable-Markt immer wichtiger

Die Kooperation ist auch aus einem anderen Grund interessant.

Samsung Display gehört traditionell zu den wichtigsten Herstellern flexibler OLED-Panels.

BOE hat in den vergangenen Jahren jedoch stark in flexible OLED-Technologien investiert und beliefert verschiedene Smartphone-Hersteller.

Damit nimmt auch der Wettbewerb hinter den eigentlichen Foldable-Marken zu.

Für Käufer ist das grundsätzlich positiv.

Mehr konkurrierende Panelhersteller bedeuten mehr Investitionen in neue Technologien – und langfristig möglicherweise günstigere Komponenten.

Warum das für zukünftige Foldables wichtig ist

Die größten Kritikpunkte heutiger Foldables sind inzwischen ziemlich klar:

Sie sind teuer, häufig dicker als normale Smartphones, das Innendisplay ist empfindlicher und die Falte bleibt je nach Modell sichtbar.

Keine einzelne Technologie wird all diese Probleme lösen.

Verbesserungen entstehen vielmehr durch viele kleine Fortschritte:

dünneres Glas + bessere Klebstoffe + optimierte OLED-Schichten + bessere Scharniere + effizientere Fertigung.

Genau deshalb ist Materialforschung so wichtig.

Ein neuer Klebstoff klingt deutlich weniger spektakulär als ein neues Smartphone mit drei Displays.

Für die Alltagstauglichkeit der nächsten Foldable-Generation könnte er aber mindestens genauso relevant sein.

Forschung geht über Foldables hinaus

BOE und 3M wollen ihre Zusammenarbeit künftig zudem auf weitere Technologien ausdehnen.

Genannt werden unter anderem neue Displaymaterialien, Glas-basierte Packaging-Technologien, optische Verbindungen und sogar Perowskit-Photovoltaik.

Das gemeinsame Labor ist damit langfristiger angelegt als die Entwicklung einer einzelnen Smartphone-Generation.

Für Foldable-Fans bleibt allerdings insbesondere die Forschung an flexiblen OLEDs interessant.

Fazit: Die Foldable-Revolution steckt auch im Klebstoff

Bei Foldables stehen normalerweise spektakuläre Komponenten im Mittelpunkt: flexible OLEDs, komplexe Scharniere oder ultradünnes Glas.

Dabei wird leicht übersehen, dass diese Komponenten überhaupt dauerhaft miteinander verbunden werden müssen.

Genau hier spielen optisch transparente Spezialklebstoffe eine entscheidende Rolle.

BOE und 3M wollen nun gemeinsam daran arbeiten, flexible Displays langlebiger, effizienter und möglichst faltenärmer zu machen.

Sollten solche Entwicklungen erfolgreich in die Massenproduktion gelangen, könnten zukünftige Foldables dünner und robuster werden und sich im aufgeklappten Zustand immer stärker wie ein klassisches Smartphone- oder Tablet-Display anfühlen.

Manchmal steckt der nächste große Fortschritt eben nicht im Prozessor oder in der Kamera.

Sondern zwischen zwei Displaylagen – in einer Schicht, die der Nutzer niemals zu Gesicht bekommt.

Quellen

3M, 24. August 2026 – Ankündigung des gemeinsamen 3M-BOE-Forschungslabors
DigiTimes, 26. August 2026 – Einordnung der Kooperation vor dem zunehmenden Wettbewerb bei Foldable-OLEDs
BOE / chinesische Berichterstattung zur Eröffnung des gemeinsamen Labors

adminfp

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